„Leben und Lernen mit der Natur“

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Ein Projekt der Jugendhilfe Grünau soll Kindern und Jugendlichen ein Bewusstsein für die sie umgebende Natur wecken – und neue Erlebnisräume schaffen. Mit Unterstützung der TARGOBANK Stiftung entstanden etwa ein XXL-Gewächshaus, wurden Obstbäume gepflanzt und Nisthilfen gebaut. Neben dem Spaß werden auf diese Weise auch ökologische Zusammenhänge aufgezeigt. Die erste Gurken-Ernte war jedenfalls ein ganz besonderer Moment.

Im Zeitalter der Digitalisierung rückt das Leben in und mit der Natur immer mehr in den Hintergrund. Das sei keine gute Entwicklung, befanden Verantwortliche der Jugendhilfe Grünau. „Man kann aus der Natur Kraft und Energie schöpfen“, davon ist Katharina Erol, Assistentin der Geschäftsführung der Graf Recke Pädagogik in Bad Salzuflen, überzeugt. Ein seit Jahresanfang laufendes Programm soll den Kindern und Jugendlichen genau diesen positiven Effekt auf vielfältige Weise nahebringen, ob im Wald, auf der Obstwiese oder im Gewächshaus. „Leben und Lernen mit der Natur“ heißt das auf gut ein Jahr angelegte Projekt, gefördert von der TARGOBANK Stiftung Düsseldorf. Und es funktioniert.

„Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir das Gelände so erweitern und gestalten können, dass naturnahe Lern- und Spielräume entstehen“, benennt Katharina Erol die Zielrichtung, mit der man sich um die Fördergelder der Bank beworben habe. Denn die Natur ermögliche ein Erleben mit allen Sinnen, „Sehen, Hören, Riechen, Schmecken“. Dies erweist sich etwa bei einem der Hauptprojekte, die im Laufe der Monate entstanden sind: dem XXL-Gewächshaus, gelegen direkt neben dem Verwaltungsgebäude. Auch der Standort war kein Zufall: Es sei der zentrale Punkt in Grünau, „für sportliche Aktivitäten und fürs Zusammenkommen".

Die erste Ernte zelebriert

Aufgebaut wurde der neue Lern- und Erlebnisort durch den Technischen Dienst der Jugendhilfe unter der Leitung von Peter Kalwa, der die pädagogische Fachkraft Isabell Kraft bei der Organisation und Umsetzung aller Teilprojekte unterstützt. Die Kollegin indes habe sich fürs Gewächshaus in einer örtlichen Gärtnerei Tipps geholt und alles vorbereitet, berichtet Katharina Erol. Ausgesät worden seien unter anderem Zwiebeln, Spitzpaprika und Gurken. „Besonders spannend: Die Kinder und Jugendlichen begleiten den gesamten Wachstumsprozess ganz bewusst“, sagt Erol. Die erste Gurkenernte jedenfalls sei ein besonderer Moment gewesen. „Sie waren wirklich stolz und haben das richtig zelebriert.“

„Sie waren wirklich stolz und haben das richtig zelebriert.“

Katharina Erol

Auf eine Ernte muss eine andere Gruppe wohl noch etwas warten. Diese hat im Rahmen von „Leben und Lernen mit der Natur“ Obstbäume gepflanzt: Birne, Kirsche, Pfirsich, Pflaume und Mirabelle. Hinzu kommen Kiwi-, Brombeer-, Himbeer-, und Stachelbeersträucher. Doch damit war es nicht getan: die jungen Leute haben zudem eine Art Patenschaft übernommen – und damit auch Verantwortung. Bevor sie die erwarteten Früchte zu Saft oder Marmelade verarbeiten können, gelte es, die Bäume und Sträucher ausreichend zu wässern und fachgerecht zu beschneiden, meint Katharina Erol. „Auch dabei werden sie von der Gärtnerei unterstützt."

Für ein weiteres Teilprojekt holte sich Isabell Kraft die Heerser Mühle – das Natur- und Umweltzentrum in Bad Salzuflen – als Kooperationspartner dazu: Gemeinsam wurden im Frühjahr Nistkästen zusammengebaut und auf dem Gelände aufgehängt. Insektenhotels sollen demnächst folgen. Neben dem praktischen Nutzen erproben die Kinder dabei, so der Plan, ihre handwerklichen Fähigkeiten, leben ihre Kreativität aus und übernehmen zugleich Verantwortung für die Natur. Zudem soll das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge gestärkt werden.

Natur erleben im Weiden-Tipi

Neben den pädagogischen Mehrwert komme das Natur-Projekt einfach gut an, „weil für jeden was dabei ist", wie Katharina Erol beobachtet. Das war auch beim Aufbau der Weiden-Tipis im März so. Rund 20 Kinder und Jugendliche hatten damals gemeinsam mit zehn pädagogischen Fachkräften tatkräftig mit angepackt, trotz anhaltenden Regens. Am Ende waren die Beteiligten laut Erol zwar ordentlich dreckig und voller Matsch, das Ergebnis aber könne sich sehen lassen. „Drei wunderschöne Tipis stehen nun auf dem Gelände und bieten einen Rückzugsort für Naturbeobachtung."

All das soll bei den jungen Menschen ein Bewusstsein für die sie umgebende Natur wecken und ihnen Möglichkeiten zeigen, wie sie aktiv zum Schutz von Umwelt und Tieren beitragen können. Für die Unterstützung durch die Targobank ist die studierte Pädagogin daher „äußerst dankbar", wie sie sagt. Das Projekt werde in jedem Fall über 2026 hinaus weitergeführt; die Obstbäume, die Weiden-Tipis, die Nistkästen und auch das Gewächshaus würden weiter gepflegt, „sonst wäre es nicht nachhaltig", betont Katharina Erol. Spenden von Dritten würden die wertvolle Arbeit allerdings sehr unterstützen.

Die Jugendhilfe Grünau, heilpädagogisch-therapeutische Einrichtung der Graf Recke Pädagogik gGmbH, ist eine Einrichtung der Jugendhilfe, die Kindern, Jugendlichen und ihren (familiären) Bezugssystemen in stationären, teilstationären und ambulanten Settings Unterstützung bietet.

www.gruenau-jugendhilfe.de

Impressionen vom Naturprojekt in Grünau

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